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Markt aktuell
Zukunft Handel (3): Zukunftsstrategien des Handels

 

Enorme Verdrängung, ein verschärfter Innerbranchenwettbewerb, der durch einen Interbranchenwettbewerb noch erweitert und durch internationalen Wettbewerb angeschoben wird, eine Industrie, die den Druck auf den Handel verstärkt, indem sie durch vorwärtsgerichtete Vertikalisierung selbst verkauft, das sind die eher unschönen Rahmenbedingungen der Zukunft im Handel.

 

 

Trübe Aussichten. Wer künftig als Händler überleben will, muss sich „vom Rest der Welt“ unterscheiden – er muss differenziert auftreten, vernetzt agieren, und dazu bedarf es innovativer Überlegungen. Zu den Methoden, den Erfolgsstrategien, die einzelne Unternehmen nach vorne bringen können, befragte Sibylle Dorndorf Ulrich Eggert in Folge III der TOYS-Serie „Handel im Wandel“.

 

Herr Eggert, es sieht nicht gut aus für den Händler. Das von Ihnen entworfene Zukunftsbild ist leider realistisch. Wo liegen nun die Chancen für den Händler, Sie sprechen von Differenzierung. Wie kann das im Einzelnen aussehen?

Hat es für den Händler denn schon jemals wirklich gut ausgesehen? – Differenzierung erhält man natürlich auf der einen Seite durch sachbezogene Aspekte wie Sortiment, Lage, Preise und so weiter. Heute werden aber andere Faktoren bedeutender, nämlich die emotionalen wie Marken, Schnelligkeit, Trends, Einfühlungsvermögen, „Ohr am Verbraucher“ et cetera. Das wichtigste aber ist das eigentliche Geschäftsformat, das Verkaufsmodell: was ist meine ganz persönlich-individuelle Methode, Ware an „den Mann“ zu bringen?

 

Innovation, Kundenorientierung, all das lässt sich nur im Schulterschluss mit der Industrie stemmen. Wie führt der aktive Händler am besten den Dialog?

Am besten nicht alleine, sondern mit anderen zusammen, dann wird er auch gehört. Ansonsten muss man sich argumentativ gut vorbereiten und eventuelle Einwände schon vorweg überlegt und für sich beantwortet haben. Er muss zeigen, dass er der Industrie mit seinem Auftritt gegenüber dem Kunden einen Mehrwert liefert durch Beratung, Auswahl, direkte Kundenansprache, Internet und so weiter.


Wie kann der Händler, der unter chronischem Personalmangel leidet, denn diesen von Ihnen geforderten „Mehrwert“ in der Leistung kalkulieren?

Ehrlich gesagt: kaum! Das Geschäft wird nicht einfacher, weil der Kunde unendlich viele Möglichkeiten hat. Deshalb: nicht unnötig in Preiskämpfe ziehen!


...und was könnte er outsourcen?

Zunächst einmal den Einkauf und damit Sortiments-Vorüberlegungen über die Verbundgruppe, dann natürlich auch klassische Nebenleistungen wie (Lohn-)-Buchhaltung, in Grenzen den Internet-Auftritt, viele Aktivitäten im Bereich Social Media,…


Controlling, Planning, Mitarbeiterführung, all das sind wichtige Bausteine für den Erfolg. Ist der Handel darin Ihrer Erfahrung nach fit genug für die Zukunft?

Leider nur zum Teil, deshalb sind hier auch die Verbundgruppen direkt oder mit Schulungsmaßnahmen gefragt.


Und wie sieht es mit Eigenmarketing und Visual Merchandising aus? Das überlassen die meisten Händler immer noch am liebsten der Industrie.

Dumm gelaufen: dann sieht es ja überall wieder gleich aus! Also. Selbst ist der Mann oder die Erfa-Gruppe, die Verbundgruppe, der Freundeskreis gleichgesinnter Unternehmer. Geliefertes darf integriert werden, muss aber ein individuelles Gesicht erhalten!


Das „weniger-ist-mehr“-Prinzip gilt auch im Handel der Zukunft. Woher weiß ich als Händler, was mir „steht“ oder wovon ich tunlichst die Finger lassen sollte?

Das unterscheidet vielleicht auch den Unternehmer vom Vertreiber von Waren! Alles, was ich nicht kann, sollte ich tunlichst andere für mich machen lassen oder es schleunigst erlernen.


Sicher wäre eine gesteuerte Exklusivität ein Weg. Aber wie erreiche ich als Händler eine Art „Konkurrenzausschluss“ bei der Industrie?

Die Zeiten sind doch eigentlich vorbei, zumindest bei alltäglichen Produkten, es sei denn, ich trete in eine echte vertikale Beziehung zu den Lieferanten, also per Franchise et cetera.

 

Verbundgruppen treiben ihr Branding voran. Im Zuge dessen sollen auch die Anschlusshäuser unter der Marke am Markt agieren. Aber auch wenn ein Händler einer Verbundgruppe angehört, muss er an seiner Brand arbeiten... Ist das richtig oder sollte er sich unter dem Markendach der Gruppe etablieren?

Wenn die Gruppe eine „echte“ Marke geworden ist, macht es Sinn, die eigene zurückzunehmen, aber er vertritt sie am Ort und muss dann auch in ihrem Sinne dafür kämpfen, ansonsten: volle Kraft in „den Handel selbst als Marke“!


Das Zauberwort heißt Multi-Channel-Retailing. Wie kann der kleine und mittlere Händler sich hier aufstellen?

Erst einmal muss eine eigene Homepage her, um sich vorzustellen und zu präsentieren!! Da sollten dann heute aber auch einige wenige Social Media-Aspekte dabei sein, wie Videos, Downloads von Erläuterungen und Foren für Fragen und Antworten. Für einen eigenen Shop bedarf es aber dann schon mehr, nämlich den Willen, tatsächlich eine „Filiale“ aufzumachen! Dazu bedarf es dann eines etwas längeren Atems, der aber unter Umständen später mal reichlich belohnt wird. Vergessen Sie nicht: Amazon hat auch mal ganz klein angefangen und seine Freunde haben Herrn Bezos, den Gründer, sicherlich auch zu Beginn für etwas spinnert gehalten, oder? Deshalb sehe ich auch hier eher den ge-meinsamen Auftritt mit der Verbundgruppe.



Lesen Sie das vollständige Interview in Ihrer TOYS 2/2012!

 


 
Die Messemacher: Organisation einer Spielwarenmesse

Teil 3: Ideen reisen durch die Welt

Zur Spielwarenmesse strömen jährlich Aussteller und Händler aus aller Welt nach Nürnberg, um sechs Tage lang Messeluft zu schnuppern. Bis zur letzten Minute wirbelt das Organisationsteam quer über das Messegelände, denn jedes noch so kleine Detail soll stimmen. In einer dreiteiligen Reihe zeigt TOYS, wie viel Vorbereitung hinter sechs Tagen Spielwarenmesse steckt. Die ersten beiden Teile haben das Projektmanagement und das Marketing begleitet. Teil 3 widmet sich nun dem gesamten Organisationsteam und seinem Umzug auf das Messegelände.

 

Wenige Tage vor der Messe. In den Büros der Spielwarenmesse eG brodelt es, während draußen die winterliche Kälte Eisblumen und rote Nasen malt. Eilig flitzen Mitarbeiter über die Gänge und fiebern dem nahenden Messestart entgegen. Alle Ideen, die das Organisationsteam in den letzten Monaten gemeinsam entwickelt und Stück für Stück zum Leben erweckt hat, warten auf ihren großen Auftritt zur 63. Spielwarenmesse.

Mit fliegenden Händen packt das Team knapp eine Woche vor der Messe Kiste um Kiste. Alle Abteilungen, angefangen vom Projektmanagement und Marketing bis hin zur Buchhaltung, IT, Presse und Vorstand, räumen ihre Büros, um in das Nürnberger Messezentrum zu ziehen. Bei vierzig Mitarbeitern ein hoher logistischer Aufwand, auch wenn das Gelände nur einen Katzensprung entfernt liegt. „Alle Mitarbeiter müssen auf der Messe genauso gut arbeiten können wie in ihren eigenen Büros. Das ist eine große Herausforderung“, sagt Jens Pflüger, Director IT & Finance der Spielwarenmesse eG, der den Umzug koordiniert. „Unser gesamtes Team zieht auf die Messe, damit Aussteller und Besucher die Möglichkeit haben, ihren jeweiligen Ansprechpartner persönlich anzutreffen.“

Neben der Belegschaft wandern mehrere Kisten an Arbeitsmaterialen sowie unzählige Informationsbroschüren, Pressemappen und Büroartikel mit auf das Messegelände. Allein das Presseteam befördert zehn randvolle Kartons ins Pressezentrum. Dieses ist für 2.500 akkreditierte Journalisten aus aller Welt der zentrale Knotenpunkt und muss für Fragen und Wünsche der Berichterstatter gewappnet sein. Darum kümmert sich das dreiköpfige Team um Pressesprecherin Kyra Mende. „Die Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg ist die weltweit größte Fachmesse der Spielwarenbranche und zieht die Medien magisch an. Wir kennen viele der Journalisten persönlich. Über die Jahre haben sich auch Freundschaften entwickelt, obwohl wir viele nur einmal im Jahr sehen, die sonst über alle fünf Kontinente verstreut sind“, erzählt Mende.

Zur Messe wächst die Mannschaft der Spielwarenmesse eG auf 200 Personen an, die alle vorab geschult werden müssen. Sie unterstützen das Organisationsteam bei den zahlreichen Veranstaltungen, stehen Besuchern wie Ausstellern an den Infocountern bei Fragen zur Seite und helfen bei der Registrierung. „An den Registrierungs-Countern liefen schon so manche Tränen“, berichtet Pflüger. „Es kam auch vor, dass ganze Schulklassen auf uns zustürmten und auf die Spielwarenmesse wollten. Da wir aber eine reine Fachmesse sind, geht das natürlich nicht.“ Doch Pflüger und sein Team konnten die Tränen schnell trocknen. Sie schickten die spielfreudigen Schüler ins Nürnberger Spielzeugmuseum. „Dort können sie die meisten Spielsachen wenigstens ansehen und zum Teil ausprobieren“, freut sich Pflüger, der bereits auf dem Weg zu einem Testlauf des Einlasskontrollsystems ist. „Wir haben in den letzten zehn Jahren ein äußerst kundenfreundliches Einlasskontrollsystem aufgebaut, das die Wartezeiten auf ein Minimum reduziert“, erklärt der IT-Chef. „Bei rund 80.000 Besuchern und 2.700 Ausstellern ist Schnelligkeit ein klares Muss.“ Im Akkord können Eintrittsausweise gescannt und im System erfasst werden. So ist auch eine Auswertung der Aussteller- und Besucherzahlen kein Problem. Die FKM-geprüften Zahlen benötigt dann wiederum das Presseteam, denn spätestens zur Schlusspressekonferenz wollen alle Journalisten eben jene Zahlen erfahren – wie auch der Messechef. „Natürlich interessiert uns, wie viele Besucher und Aussteller auf unserer Messe waren“, sagt Ernst Kick, CEO der Spielwarenmesse eG. „Doch vor den Zahlen steht das Erlebnis! Die Messe ist für mein Team und mich pure Leidenschaft. An diesen sechs Tagen sind wir Herz und Hand der internationalen Spielwarenbranche. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich“, schwärmt Kick.

www.spielwarenmesse.de

Den kompletten Beitrag lesen Sie in Ihrer TOYS 2/2012!

 


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